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Heute möchte ich mich einer wichtigen Frage zuwenden. Wie verändert eine chronische Erkrankung die Paarbeziehung? Hast Du selbst Erfahrungen damit oder hast Du es bei anderen beobachten können? Wenn ja, wie ist es ihr/ihm oder Dir ergangen?

In einem Rheumaforum habe ich gelesen, wie eine Frau sich besorgt darüber äußerte, dass ihr Mann so stark mit ihr leidet und alles für sie tut. Dieses Phänomen wird als „Overprotecting“ bezeichnet und kann sich für eine Partnerschaft auf Dauer sehr ungünstig auswirken und zu Frustration, Ausgebranntsein seitens des gesunden Partners und Hass und Ärger zwischen beiden führen.

Diese Frau aus dem Forum macht sich Sorgen um ihren Mann, weil sie merkt, dass es ihm nicht gut geht damit. Einerseits genießt sie seine Fürsorge und andererseits fühlt sie sich erdrückt davon.

VERANTWORTUNG ABGEBEN?

Wie war das bei mir? Als ich erkrankt bin, war ich auch schon in einer Partnerschaft und ich hatte auch einen fürsorglichen Partner. In einer bestimmten Phase habe ich viel von meiner Eigenverantwortlichkeit an ihn abgegeben. Es äußerte sich in Kleinigkeiten, wie dass ich mir habe dabei helfen lassen, die Jacke anzuziehen, weil es schneller ging oder die Tür aufmachen lassen, weil es mir wehtat. Ich hatte sogar geplant, ihn mein Bankkonto führen zu lassen, weil ich nicht so gut mit meinem Geld haushalten konnte. Es kam immer mehr hinzu.

Bis ich eines Tages bei einem Seminar eine Art Schlüsselerlebnis hatte und mir schlagartig klar wurde, dass ich die Verantwortung für mich selbst übernehmen muss. Bei einer Übung in diesem Seminar sollten wir unserem Übungspartner erzählen, was alles schief läuft in unserem Leben. Das war vielleicht ein Gejammer… wir waren mindestens 100 Leute im Raum…:-) Im 2. Schritt sollten wir dann darüber sprechen, was wir selbst dazu beigetragen haben, dass die Situation so ist wie sie ist.

EINE ANDERE HALTUNG ENTWICKELN!

Schon als man uns erklärte, was wir machen sollten, musste ich total lachen und mir ist in dem Moment ein Licht aufgegangen. Mir wurde schlagartig klar, dass viele Dinge in meinem Leben, vor allem die, die nicht so gut liefen, von mir selbst eingefädelt worden sind. (Durch Entscheidungen, die mir in dem Moment als richtig erschienen) Und das war unglaublich befreiend. Meine Krankheit war davon nicht weggeblasen, aber  meine innere Haltung hat sich verändert und das Aufgeben meiner Selbstständigkeit war damit auch gestoppt.

Ab sofort habe ich mir meinen Mantel wieder selbst angezogen – auch, wenn es länger dauerte. Die Türen habe ich auch wieder ohne Hilfe geöffnet, obwohl es schwer war und weh tat. Und mein Bankkonto habe ich auch wieder selbst weitergeführt, obwohl ich immer noch nicht mit Geld umgehen konnte…:-) Das war ein gutes Gefühl. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass wir nie Hilfe annehmen oder um Hilfe bitten sollten… bitte nicht falsch verstehen. Ich weiß, wie tapfer viele von Schmerzen geplagte Menschen sind, die Zähne zusammenbeißen und nicht um Hilfe bitten, obwohl es dringend nötig wäre.

SICH NICHT AUFFRESSEN LASSEN VON DER FÜRSORGE

Was ich an meinem Mann sehr geschätzt habe in dieser Phase, war, dass er für mich da war und gleichzeitig auf eine gewisse Weise unberührt davon war. Er hatte eine gewisse Distanz zu meiner Krankheit. Das war für mich wiederum sehr erleichternd. Es hätte mich total belastet, wenn er die ganze Zeit um mich herumgeschwirrt wäre mit sorgenvollem Blick.

Und genau das spricht gegen das Überfürsorgliche. Es ist nicht immer angenehm für den chronisch kranken Menschen, wenn Menschen um ihn herum, sich permanent Sorgen machen. Es übt sogar einen gewissen Druck aus und kann Abhängigkeit fördern. Ich konnte mich manchmal besser entspannen, wenn mein Freund nicht im Haus war. Und Entspannung bedeutete auch weniger Schmerzen zu haben.

Kennst Du das? Hast Du auch bemerkt, dass es manchmal doch ganz schön ist, allein zu sein und in Ruhe den Körper zu spüren auch, wenn er weh tut? Dich nicht verstellen müssen und so tun, als ob alles nicht so schlimm ist?

Wie ist es bei Dir? Unterstützt Dich Dein Mann? Ist er für Dich da und traut er Dir auch zu, mal alleine damit fertig zu werden? Lebt er sein eigenes Leben weiter d.h. pflegt er seine Hobbys? Geht er auch mal ohne Dich aus, um seine Freunde zu treffen?

Eine chronische Krankheit ist kein Schnupfen, der ein paar Tage dauert und dann ist es wieder überstanden und deshalb ist es so wichtig, dass Dein Beziehungspartner mal abschaltet, rausgeht und sich mit anderen Dingen beschäftigt und Dir zu traut, dass du eigene Ideen und Kräfte entwickelst, um es Dir gutgehen zu lassen.

Was für Erfahrungen hast Du gemacht? Hinterlasse mir doch einen Kommentar!!

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